Kontextmenü:

Home .  Impressum .  Sitemap .  Login

plattform für kämpferische und demokratische gewerkschaften

Hauptmenü:

Unsere Positionen    Plattform Wien    Plattform OÖ    Unterstützen    Forum    Links   

 
 

Inhalt:


Arbeitszeit ist Lebenszeit!

Nach der Bezahlung von Lohnarbeit ist die Frage, wann und wie lange wir arbeiten, eine zentrale Frage der ArbeiterInnenbewegung. Nicht umsonst war die Forderung und der Kampf für einen 8-Stundentag ein zentraler Motor für die Entstehung von Parteien und Gewerkschaften. Anfang Juli 2007 beschlossen SPÖ und ÖVP im Parlament eine weitere massive Verschlechterung der Arbeitszeit. Mit einem „Speed-Kills"- Verfahren ähnlich dem der blauschwarzen Bundesregierung, sollte, gemeinsam mit der ÖGB-Spitze, über alle Bedenken drüber gefahren werden. Noch Ende Juli zweifelte so mancheR GewerkschafterIn am tatsächlichen Beschluss dieser Verschlechterungen im Parlament. Durch die Schnelligkeit des Beschlusses sollte jede Opposition im ÖGB aus den Betrieben und in der Gesellschaft ausgeschaltet werden. Eine Opfergabe der ÖGB-Spitze an die neue Bundesregierung.


Arbeitszeitverkürzung ist topaktuell...

Bundesregierung und ÖGB-Spitze haben mit den Flexibilisierungsmaßnahmen die Frage nach der Arbeitszeit neu auf die Tagesordnung gesetzt. Ein wichtiger Grund für uns als kämpferische GewerkschafterInnen, mit einem politischen Gegenkonzept in die Offensive zu gehen.


Mehr Arbeitsplätze mit sinnvoller Arbeit.......

Im Vergleich zum Vorjahr gibt es weniger Menschen die beim AMS als Arbeit suchend gemeldet sind. Soweit die gute Nachricht. Auch in Österreich ist ein wirtschaftlicher „Aufschwung" spürbar. Aber dieser Aufschwung steht auf schwachen Füßen. Der Börseneinbruch und die Krise um die geplatzten Geschäfte mit Grundstückskrediten zeigen, wie schnell es mit dem Wirtschaftswachstum vorbei sei kann. Davon abgesehen: rund 200.000 Menschen sind beim AMS als Arbeit suchend gemeldet, dazu kommen noch die vielen, die nicht übers AMS suchen und jene, die in verschiedenen Schulungsmaßnahmen „geparkt" sind und somit in der Statistik momentan nicht aufscheinen.

Insbesondere für Menschen die über 45 Jahre alt und schon länger arbeitslos sind, ist es - Aufschwung hin oder her - extrem schwierig, einen Job zu finden. Die „Konzepte" von Wirtschaft und Regierung gegen diese strukturelle Arbeitslosigkeit taugen nichts. Billigarbeit, Lohnsubventionen, aber auch Armut durch eine minimale Grundsicherung lösen das Problem nicht. Dazu kommt, dass immer mehr Menschen in die Selbständigkeit getrieben werden. Viele Jahre Berufserfahrung, ein AMS-Kurs, ein günstiger Kredit von der Bank und der Traum, endlich „sein eigner Herr zu sein", sind der Stoff, aus dem viele geschäftliche Bruchlandungen resultieren beim Versuch sich selbstständig zu machen. Schwer verschuldet in der Sozialhilfe ist oft der Endpunkt. Dazu kommt noch die Scheinselbstständigkeit, die - nicht zuletzt auch wegen dem neuen Pflegemodell - massiv gefördert wird. Alle diese „Konzepte" haben zwei Dinge gemeinsam: Sie funktionieren nur in Ausnahmefällen und sie wälzen das Risiko auf die erwerbsarbeitslosen Menschen ab.

Um die Massenarbeitslosigkeit zu überwinden, wäre eine möglichst internationale und radikale Verkürzung der wöchentlichen, täglichen und der Lebensarbeitszeit nötig.

Die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist dabei eine zentrale Forderung. Eine starke Kampagne von Gewerkschaften und Arbeitslosenorganisationen mit Aktionen in Betrieben, Arbeitsämtern und mit massenhafter Aufklärung wäre zur Umsetzung nötig. Leider sind wir davon heute - noch - weit entfernt.


Für vollen Personalausgleich!


Um zu verhindern, dass die Unternehmer Arbeitszeitverkürzung nutzen, um den Arbeitsdruck zu erhöhen, muss diese in großen Schritten erfolgen. Wird die 30-Stunden-Woche sofort und in allen Bereichen eingeführt, sind die Unternehmer gezwungen, ihren Personalbedarf durch Neueinstellungen zu decken.
Voller Personalausgleich, der die Unternehmer dazu zwingt, die verkürzte Arbeitszeit zu 100 Prozent durch Neueinstellungen auszugleichen um die notwendige Arbeit zu leisten, muss zusammen mit der Arbeitszeitverkürzung durchgesetzt werden.
Regelmäßig anfallende Überstunden gehören konsequent abgelehnt und durch Neueinstellungen ersetzt. In jenen Bereichen, in denen die Menschen aufgrund ihres niedrigen Fixgehalts teilweise nur mit Überstunden "über die Runden kommen", müssen gleichzeitig mit der Arbeitszeitverkürzung die Löhne so angehoben werden, dass die Beschäftigten das, was sie momentan durch ihre Überstunden als Gesamtgehalt bekommen, auch ohne Leistung von Überstunden erhalten.
Nur ein solches Programm radikaler Umverteilung der notwendigen Arbeit auf alle Arbeitsfähigen, zusammen mit einem öffentlichen Investitionsprogramm in den Bereichen Umwelt, Bildung und Soziales könnte allen, die arbeiten können und wollen, eine gut bezahlte und sinnvolle Beschäftigung garantieren.


Für vollen Lohnausgleich!


Die Frage der Arbeitszeit ist ebenso wie die Lohnfrage eine Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit um den von den Beschäftigten erwirtschafteten Reichtum. Nur durch Arbeit werden Werte und somit Reichtum geschaffen. Mit dem Lohn bekommen die ArbeiterInnen nicht den Gegenwert der von ihnen geschaffenen Werte bezahlt, sondern deutlich weniger. Einen Teil ihrer Arbeitszeit arbeiten die Lohnabhängigen faktisch unentgeltlich für den Mehrwert der Kapitalisten. Die Auseinandersetzung zwischen ihnen dreht sich um die Länge dieser regelmäßig unbezahlten Arbeitszeit. Jede Arbeitszeitverkürzung muss mit vollem Lohnausgleich einhergehen!

Die Produktivität wächst ständig. Wenn die Löhne nicht entsprechend erhöht oder die Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich verkürzt werden, bedeutet das Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums zugunsten der Unternehmer. In den letzten Jahren war dies der Fall. Diesen Trend gilt es durch entschlossenen gewerkschaftlichen Kampf umzukehren!


Mehr Zeit zum Leben .....

Jene 3,5 Millionen Beschäftigten, die noch Arbeit haben, werden durch steigende Arbeitshetze, ungesunde Arbeitszeiten und -bedingungen und ausufernde, oftmals unbezahlte Mehrarbeit krank. Durch einen 6-Stundentag und mehr Beschäftige gibt es weniger Stress und mehr Erholungsmöglichkeiten, was sich schnell positive auf die Gesundheit auswirken würde.


Arbeiten wir, um zu leben, oder leben wir, um zu arbeiten?


Auch diese Grundsatzfrage steht hinter der Debatte um Arbeitszeitverkürzung. Durch eine radikale Verkürzung der Arbeitszeiten könnte sich die Gesellschaft sozial, kulturell und politisch sprunghaft weiter entwickeln. Nach harter und oftmals stupid monotoner Arbeit bringen Viele heute nicht mehr die Energie auf, etwas Sinnvolles zu tun. Durch Schichtarbeit und „flexibilisierte" Arbeitszeiten wird immer mehr Menschen die Möglichkeit genommen überhaupt am sozialen Leben teilzunehmen.

Auch ließe sich durch eine radikale Arbeitszeitverkürzung auf max. 30 Stunden pro Woche als Vollzeitjob Beruf und Familie wesentlich besser in Einklang bringen. Während dzt. viele Personen mit Betreuungspflichten ihre Arbeitszeit reduzieren - so das in Ihrem Unternehmen überhaupt möglich ist - um für ihre Familie und Angehörigen mehr Zeit zu haben, wären diese bei einer Normalarbeitszeit von 30 Std./Woche durchaus in der Lage, einen Vollzeitarbeitsplatz anzunehmen. Wenn allgemein nicht mehr als 30 Std./Woche gearbeitet wird, sind Personen mit Betreuungspflichten - und das sind größtenteils Frauen - gegenüber anderen MitarbeiterInnen nicht mehr benachteiligt, was ihre Karrierechancen und damit ihre finanzielle Situation wesentlich verbessern würde. Die verringerten Karrierechancen für Frauen würden hiermit zumindest in dieser Frage angeglichen.


Denn es geht nicht nur um die tatsächlich geleistete Arbeit. Durch die extreme Flexibilisierung der letzten Jahre (kombiniert mit dem Durchbruch der Mobiltelefone) ist bei vielen ArbeitnehmerInnen das Gefühl entstanden, mehr oder weniger permanent auf Abruf bereit stehen zu müssen. Viele ArbeitnehmerInnen wissen heute nicht, wie sie nächste Woche arbeiten. So bestimmen Vorgesetzte und Unternehmer weite Teile der Lebensgestaltung von tausenden Menschen. Eine Kampagne für Arbeitszeitverkürzung - kombiniert mit der Rücknahme der Flexibilisierung von 1997 und 2007 - hat auch das Ziel, den Menschen die Selbstbestimmungsmöglichkeit über das eigene Leben zurück zu erobern.


Für kämpferische und demokratische Gewerkschaften


Um wieder soziale Verbesserungen durchzusetzen, ist eine radikale ideologische und praktische Kehrtwende der Gewerkschaften von Nöten. Statt weiterhin auf die Fiktion der „Sozialpartnerschaft" zu setzen, die von Unternehmerseite längst aufgekündigt wurde, müssen sich die Gewerkschaften wieder als Gegenmacht begreifen. Die Konzerne betreiben knallharte Interessenspolitik gegen die Beschäftigten. (Auch wenn Wirtschaftskammerchef Leitl und Co versuchen, diese Fakten mit Sozialpartnerrethorik wegzureden.) Die Gewerkschaften müssen daher ebenso kompromisslos für Beschäftigteninteressen kämpfen!


Dazu gehört eine Kampagne für die flächendeckende Einführung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Die Regierungsoffensive zur Arbeitszeitverlängerung bietet die Gelegenheit, das in den letzten Jahren gewerkschaftlich kaum diskutierte Thema der Arbeitszeit wieder zu besetzen.
Eine Aufklärungskampagne der Gewerkschaften könnte mit den falschen Vorstellungen aufräumen, die die neoliberale Offensive auch in den Köpfen vieler Beschäftigter hinterlassen hat.


Gewerkschaftsopposition aufbauen!

Mit den derzeitigen Spitzen-(Gehalts-)Funktionären wird die notwendige Kehrtwende nicht zu machen sein. Grundlage für die Veränderung der Gewerkschaften ist die Selbstorganisation an der Basis und in den Betrieben. Durch den Aufbau einer kampagnenfähigen Gewerkschaftsopposition kann die Führung zur Mobilisierung gegen die Unternehmeroffensive gezwungen werden. Aus einer solchen Opposition heraus kann sich eine inhaltliche und personelle Alternative zur derzeitigen Gewerkschaftsführung entwickeln.

Die Plattform für kämpferische und demokratische Gewerkschaften sieht sich als ein erster Ansatz für den Aufbau einer solchen Opposition.