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Der ÖGB und die Arbeitszeitverkürzung

 

Europaweit nutzten viele Gewerkschaften den Nachkriegsaufschwung, um soziale Verbesserungen durch zusetzten. In Österreich begünstigten die Vollbeschäftigung, der Arbeitskräftemangel und der hohe Anteil an verstaatlichter Industrie in der Gesamtwirtschaft die Situation für Gewerkschaften und ArbeitnehmerInnen.

 So wurde zwischen 1945 und 1975 die Arbeitswoche von 48 auf 40 Stunden verkürzt, und der Urlaub auf fünf Wochen verlängert. Wegen der für Gewerkschaften günstigen wirtschaftlichen Lage konnten diese Errungenschaften mit den Mitteln der Sozialpartnerschaft und den SPÖ-Regierungen umgesetzt werden. Leider hat die ÖGB-Spitze (vielleicht  bis heute) nie begriffen, dass die Möglichkeit mit Sozialpartnerschaft soziale Errungenschaften durchzusetzen eine historische Ausnahmesituation war.

 Der Umgang mit der Arbeitszeitverkürzung macht dies deutlich. Mit der Wirtschaftskrise Ende der 70er Jahre waren viele europäischen Gewerkschaften erstmals nach 1945 wieder mit dem Problem der Arbeitslosigkeit konfrontiert.  In vielen Ländern war die Antwort eine  Arbeitszeitverkürzung  bei vollem Lohnausgleich. Europaweit wurde die 35-Stunden Woche diskutiert, in Gewerkschaften beschlossen und mit Kampfmaßnahmen umgesetzt. Das bekannteste Beispiel dafür ist wahrscheinlich der deutsche Metallbereich.

 Auch in Österreich fand die 35-Stunden Woche viele Anhänger. Etwa den Vorsitzenden der GPA und späteren Sozialminister Alfred Dallinger. 1985 nahm die GPA die 35-Stundenwoche in ihren Forderungskatalog auf, im selben Jahr folgte der ÖGB Oberösterreich. Im Oktober 1987 löste Fritz Verzetnitsch den langjährigen ÖGB-Präsidenten Anton Benya ab. Beim selben ÖGB-Kongress wurde die 35-Stunden Woche bei vollem Lohn beschlossen. Innerhalb von 4 Jahren hätte sie umgesetzt werden sollen. Der Beschluss gilt bis heute und steht eigentlich im Widerspruch zu den mitgetragenen Arbeitszeitflexibilisierungen.

Kampagnen und Streiks für Arbeitszeitverkürzung passten (und passen) nicht ins Konzept der ÖGB-Führung.  Leider hielten auch viele Betriebsräte, nicht zu letzt viele mächtige Betriebsräte aus der Verstaatlichen, die Arbeitszeitverkürzung für eine abstrakte, von linken Intellektuellen importierte Forderung. Zu stark war in vielen Betrieben die Verbindung zum Management, als dass man die Unternehmer mit radikalen Forderungen verschrecken wollte.

Eine wirkliche Kampagne zum Sinn der Arbeitszeitverkürzung hat es seitens der ÖGB-Spitze nie gegeben. So blieb die Forderung ein Papiertiger. Mit der Krise der Verstaatlichten, der zunehmenden Arbeitslosigkeit und der neoliberalen Offensive der Unternehmer rückte die Möglichkeit, über Verhandlungen eine Arbeitszeitverkürzung einzuführen, in weite Ferne.

Mitte der 90er änderte der ÖGB seine Politik und versuchte nun Arbeitszeitverkürzung gegen Arbeitszeitflexibilisierung zu tauschen. Zahlreiche Anträge vom ÖGB-Kongress 1999 gehen in diese Richtung. Das Ergebnis ist bekannt: die Arbeitszeit wird flexibilisiert und die geleisteten Arbeitsstunden pro Woche haben (genau wie die Arbeitslosigkeit) einen Rekordwert erreicht.

Ein wichtiger Teil jeder Kampagne für Arbeitszeitverkürzung muss daher der Aufbau einer kämpferischen Opposition im ÖGB sein. Diese muss mit der Unterstützung vieler Betriebsräte die Arbeitszeitverkürzung wieder auf die Tagesordnung des ÖGB setzten!