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Der Wirtschaft geht es gut! Geht es Dir auch gut?


Rekordgewinne, Megafusionen und Aktienboom

Beinahe täglich überschlagen sich in den Medien die Meldungen über Rekordgewinne nationaler und internationaler Konzerne. Gebetsmühlenartig wird auch immer wieder erwähnt, dass die „Konkurrenzfähigkeit" gewahrt werden muss und deshalb die Belastungen für diese Unternehmen weiters verringert werden muss. Dies ist nicht nur in Österreich der Fall sondern ein internationaler Trend.

Die Gewinne der an der Wiener Börse gelisteten heimischen Unternehmen haben sich laut einer aktuellen Studie zwischen 2001 und 2005 vervierfacht, die ausgeschütteten Dividenden mehr als verdoppelt.



In der Tabelle die Ergebnisse für einige bedeutende Unternehmen:

 

Eigenkapital - Gewinn/Ertragsteuern und
geschätzte Lohnsteuer von Großunternehmen
(in tausend €)

Unternehmen

Eigenkapital 2003

Gewinn 2000-2003

Ertragsteuer 2000-2003

Personalaufwand 2000-2003


 

 

absolut

% des
Gewinnst.

absolut

geschätz.
LohnSt.

BA-CA

5.815.000

2.469.000

411.000

17,6%

5.541.000

665.000

Uniqua

-

137.000

-15.000

0,0%

2.005.000

240.000

Berndorf

44.335

16.445

575

3,5%

6.991

839

Porr

228.800

47.187

2.573

5,5%

1.716.00

205.900

Schoeller Bleckmann

43.300

22.920

1.808

7,9%

199.600

23.950

BWT

76.560

31.680

-102

0,0%

278.100

33.370

Rosenbauer

57.170

14.060

781

5,6%

130.160

15.620

Andrits

198.100

84.640

10.960

12,9%

329.200

39.500

EVN

1.178.000

440.000

54.314

12,3%

661.600

79.390

Baumax

89.373

21.920

136

0,6%

190.600

22.870

Quelle: Bilanzdatenbank der Arbeiterkammer


Wer ist in Österreich die „Wirtschaft"?

Nur ein Prozent der UnternehmerInnen besitzt 60 Prozent des gesamten Betriebsvermögens. Die reichsten zehn Prozent kontrollieren 80 Prozent davon. Fast zwei Drittel des gesamten österreichischen Vermögens stecken in den Betrieben.

Nur ein Prozent der GrundbesitzerInnen hält ein Drittel der Flächen. Die obersten zehn Prozent besitzen rund die Hälfte des gesamten Landes.

Einer hauchdünnen Schicht der Vermögenden (ein Prozent) gehören 25 Prozent des gesamten Reichtums des Landes. Die reichsten zehn Prozent verfügen über 60 Prozent allen Vermögens. Rund ein Drittel der österreichischen Bevölkerung ist hingegen praktisch besitzlos (ausgenommen Hausrat und Autos) oder verschuldet. Diese oben angeführten Tatsachen gehen auch mit einer bestimmten Entwicklung der Budgetzusammensetzung einher, wie die folgende Statistik zeigt:

 

Jahr

Lohnsteuer*

Ertrags-&
Körperschaftssteuer*

Mehrwertsteuer*

1953

17,2

42,7

27,3

1975

16,7

22,2

34,6

1980

23,5

15,0

30,1

1995

28,4

10,9

35,8

*in % des Budgets

 

Rekordarbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung und „neue Armut"

Die Abgabenbelastung in Österreich ist im Jahr 2001 entgegen dem OECD-Trend von 42,6 auf 41,9 Prozent zurückgegangen. Nur Ungarns Steuerquote ging noch weiter zurück. Getragen werde dieser Rückgang durch eine geringere Besteuerung der Einkommen und Unternehmensgewinne, geht aus einer veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor.

Währen die Besteuerung von Einkommen und Unternehmensgewinnen zurückgeht, sind die Staatseinnahmen aus Sozialabgaben überdurchschnittlich hoch. Die Quote bei den Sozialbeiträgen, die ausschließlich aus Arbeitseinkommen bezogen werden, lag in Österreich in den vergangenen Jahren bei 14,4 Prozent des BIP. Der OECD-Schnitt war 2004 bei 9,4 Prozent.


Investitionen und Beschäftigung hinken den Gewinnen nach

Gegenüber den steigenden Gewinnen zeigten die ausgewiesenen Investitionen keine lineare Entwicklung, im Gegenteil: für 2001 wurden sie von den Unternehmen des Prime Market, das sind besonders große, meist multinationale Unternehmen, die sich zu besonderer Transparenz verpflichteten, mit 7,99 Mrd. Euro angegeben. 2005 waren es mit 8,99 Mrd. Euro nur geringfügig mehr.

Wesentlich langsamer als die Gewinne der Unternehmen entwickelte sich auch die Zahl ihrer Beschäftigten: Die Unternehmen beschäftigten 2001 zusammen 201.012 Arbeitskräfte, 2005 waren es 257.448 Menschen, was eine Zunahme um insgesamt 28 Prozent oder sieben Prozent pro Jahr bedeutete. In einem Viertel der rund 30 Unternehmen war die Beschäftigtenzahl 2005 sogar niedriger als 2001.

Gleichzeitig steigen die Konkurse kleinerer Unternehmer und vor allem im privaten Sektor. Die immer wieder propagierten „neu geschaffenen Arbeitsplätze" resultieren einerseits auf Grund der momentanen Hochkonjunktur, größtenteils aber aus der Umwandlung von Vollzeit-Arbeitsplätzen in Teilzeit.

 

Geringfügig Beschäftigte 1995 - 2004



 

 

 

 

 


Jahresdurchschnitt

Geringfügig Beschäftigte insgesamt

Frauen

Männer

ArbeiterInnen

Angestellte



1995

135.885

98.485

37.400

95.783

40.102


1996

148.279

107.089

41.190

101.009

47.270


1997

164.445

119.537

44.908

108.892

55.553


1998

170.385

123.861

46.524

109.038

61.347


1999

188.849

136.163

52.686

116.661

72.188


2000

196.528

141.496

55.032

118.027

78.501


2001

204.856

147.355

57.501

120.389

84.467


2002

216.829

154.083

62.746

122.298

94.531


2003

217.048

154.364

62.684

123.843

93.205


2004

222.675

157.479

65.196

126.714

95.961


Quelle: Hauptverband d. österr. Sozialversicherungsträger, BMSG





Arbeitszeit, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit 2005

Die Österreicher arbeiten länger als alle anderen Arbeitnehmer/-innen in Europa. "Zugleich sind mehr als 250.000 Menschen in Österreich von Arbeitslosigkeit betroffen", weist der Oberösterreichische AK-Präsident Johann Kalliauer auf den Widerspruch zwischen Höchstarbeitszeiten und Null-Erwerbsarbeitszeit hin. Etwa 7,26 Millionen Überstunden
(4. Quartal 2005) werden pro Woche geleistet. Umgerechnet auf eine 38,5-Stunden-Woche würde dies einem Arbeitskräftepotential von knapp 190.000 Personen entsprechen.

"Hohe Beschäftigung und niedrige Arbeitslosigkeit bei moderaten Arbeitszeiten schließen sich allerdings nicht aus. Österreich sollte sich beschäftigungspolitisch an jenen Ländern orientieren, die besser sind als wir", sagt Kalliauer. Norwegen weist etwa mit 38,6 normalerweise geleisteten Wochenstunden von unselbständig Vollzeitbeschäftigten die europaweit niedrigste Arbeitszeit auf. Die Arbeitslosenquote liegt mit 4,6 Prozent aber niedriger als in Österreich. Zugleich erreichte Norwegen mit 74,8 Prozent die zweithöchste Erwerbsquote im Jahr 2005. Österreich hingegen, erreicht bei einer Arbeitszeit von 42,5 Stunden, nur eine Beschäftigungsquote von 68,6 Prozent.

Auch die immer wieder behaupteten starren Tages- und Wochenarbeitszeiten in Österreich gibt es in Wahrheit nicht. Arbeitszeitgesetz und Kollektivverträge ermöglichen ein hohes Ausmaß an Flexibilität bei der Verteilung und Differenzierung der Arbeitszeiten.

Arbeitszeitverlängerung und die damit verbundene Streichung der Überstundenzuschläge sind jedenfalls das falsche Rezept, um Produktion und Beschäftigung im Land zu sichern. "Anstatt ständig an der Lohnschraube nach unten zu drehen, gilt es, die hohe Produktqualität sowie die gute Qualifikation und Motivation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erhalten", fordert Kalliauer.

 

Arbeitszeit

Beschäftigungsquote

Arbeitslosenquote

Norwegen

38,6

74,8

4,6

Niederlande

38,8

73,2

4,7

Dänemark

39,4

75,9

4,8

Österreich

42,5

68,6

5,2

EU 15

40,3

65,1

7,9

EU 25

40,4

63,8

8,

Arbeitszeit im 4. Quartal 2005: Durchschnittliche normalerweise geleistete Wochenarbeitsstunden von unselbständig Vollzeitbeschäftigen; Werte für EU 15 und EU 25 aus 2. Quartal 2005/Beschäftigungsquote 2005: Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 15-64 Jahre an der Gesamtbevölkerung derselben Altersgruppe/Arbeitslosenquote 2005: Anteil der Arbeitslosen an der gesamten Erwerbsbevölkerung.
Quelle: Eurostat (Mai 2006); AK OÖ


Aus einem Flugblatt* vom 1. Mai 1890!

„Erwäget jene zehn Vorteile, welche aus der Verkürzung der Arbeitszeit erwachsen: ..."

... der Körper wird mehr geschont, das Leben des Arbeiters/der Arbeiterin verlängert

... mehr ArbeiterInnen sind erforderlich, viele Arbeitslose können Arbeit erhalten

... Lohnanstieg, weil weniger Arbeitslose, welche unablässig auf die Löhne drücken

... es bleiben noch 8 Std. zur Ruhe, 8 Std. zur Belehrung, Aufklärung, zum Vergnügen

... Fach- und Bildungsvereine wie auch Versammlungen werden besser besucht

... höhere Kauffähigkeit der ArbeiterInnen-> erhöhte Nachfrage-> weitere Anstellungen

... größerer Verdienst -> die Kinder können in die Schule anstatt in die Fabrik gehen

... die ArbeiterInnenmassen werden politisch reiferund selbständiger

... das Bedürfnis nach weiterer Verringerung der Arbeitszeit wird wachgerufen

... der/die ArbeiterIn ist kein bloßes Arbeitsinstrument mehr, sondern beginnt Mensch zu
sein

* gekürzt und Gendergerecht formuliert