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plattform für kämpferische und demokratische gewerkschaften

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Der Funke fliegt... oder : der Sklavenaufstand war nur der Anfang!

Neben einigen anderen Organisationen befasste sich die Plattform für kämpferische und demokratische Gewerkschaften seit einigen Wochen mit den Auswirkungen der ALVG-Novelle.

Nach ausführlichen Recherchen und internen Diskussionen veranstalteten wir neben unserer Protest-Mail-Aktion am 16. November 07 einen Roundtable, wo wir mit Gleichgesinnten Strategien gegen diesen unsozialen Gesetzesentwurf entwickeln wollten. Neben unserer AktivistInnen kamen noch ca. ein Dutzend engagierte Leute, die diese Novelle nicht einfach so hinnehmen wollten. Neben Berichten über Praktiken des AMS und Analysen der Auswirkungen der geplanten Novelle kristallisierte sich bald heraus, dass es wichtig ist, gegen diesen weiteren Angriff auf ArbeiterInnenrechte mit Protest zu reagieren. Und dies in einer aktionistischen Form, um möglichst öffentlichkeitswirksam zu sein. Als idealen Anlass wurde die Verabschiedung der ALVG-Novelle im Sozialausschuss angesehen, welche zehn Tage später, am 27. November 07 stattfinden sollte. Einziger Wehmutstropfen war die knapp bemessene Zeit.

Um abzuklären, was alles dazu organisiert werden muss und wer von diesen „dreckigen Dutzend" welche Aufgaben übernehmen kann, trafen sich einige Anwesende dann am darauf folgenden Mittwoch. Erst hier entwickelte sich der detaillierte „Schlachtplan". Völlig im Unklaren blieb, wie viele Menschen in nicht einmal einer Woche für diese Aktion mobilisierbar wären. Bedenken wurden laut, dass es schwer werden würde, genügend Engagierte zu finden, die bereit wären, bei einem Stehgreifstück mitzumachen. Noch dazu, da die Aktion schon für 15 Uhr geplant wurde, um noch das Tageslicht nutzen zu können.

Die erste Überraschung erlebten wir schon in den Tagen danach, als wir feststellten, dass unsere Aktion von etlichen Organisationen unterstützt wurde und unser Aufruf weiter verbreitet wurde. Noch mehr freute uns, als wir merkten, dass in vielen Foren sowohl Organisationen als auch viele „Private" auf die Veranstaltung aufmerksam machten.

So trafen wir uns, ein wenig optimistisch gestimmt, am Nachmittag des 27. Novembers vor dem Parlament. Es war sehr erbaulich, als wir eine halbe Stunde vor dem angekündigten Beginn schon etliche Leute trafen, die sich für diesen Protest Zeit nahmen.

Es waren also genügend „SklavInnen" „AMS-TrainerInnen" und „PolitikerInnen" für unseren „Aufstand der Arbeitssklaven" vorhanden. Dank der organisatorischen Unterstützung von Seiten der SLP und der ÖH, um nur zwei Organisationen namentlich zu nennen, hatten wir auch das technische Equipment für unsere Veranstaltung.

Die Show

Michi Gehmacher, unser „Showmaster" begrüßte alle Anwesenden und interviewte zuerst einmal „Alfred Gusenbauer" und „Wilhelm Haberzettl", warum weder die Partei, die „soziale Wärme" in dieses Land bringen wollte, noch die ArbeitnehmerInnenvertretung sich klar gegen diesen asozialen Gesetzesentwurf stellt. Als wäre er wirklich anwesend gewesen, so sprach Gusenbauer von „wirtschaftlichen Notwendigkeiten" während Haberzettl klar legte, dass er sich nicht den ArbeitnehmerInnen verpflichtet fühlt, sondern vielmehr dem Erhalt seiner Funktion und den damit verbundenen Privilegien. In einem Anfall von Selbsterkenntnis brachte er Gusi noch ein Ständchen dar und intonierte Danzers Lied über die Feigheit „i bin a Kniara wie ea im Biach'l steht". Während dessen kehrten und putzten die in Ketten gelegten „ArbeitssklavInnen" den Platz vor den Parlament und wurden dazu von „AMS-TrainerInnen" „positiv motiviert".

Showmaster Michi „erklärte" den SklavInnen, warum sie arbeitslos wären und dass sie sich halt „anpassen" müssen. Die „AMS-ler" zeigten hingegen ihre Macht und verteilten willkürlich Bezugs-sperren. All diese Drangsalien und Repressionen ließen sich unsere Ausgebeuteten noch einige Zeit gefallen.

Doch während sich die Leute von AMS, privaten Personalbereitstellern und „unsere" Politiker noch lautstark darüber mokierten, dass die Erwerbsarbeitslosen ja nur „zu faul" sind, steigerte sich der Unmut der „Zwangsarbeiter" ins Unermessliche. Plötzlich solidarisierten sie sich und streiften ihre Ketten ab, um sie nun um Betreuer und Politiker zu wickeln. Frei nach dem Motto: „Macht Euch Eure Vertreter untertan!"

Nach dieser unterhaltsamen „Sach-verhaltsdarstellung" war dann das Mikrophon für alle „offen" und viele TeilnehmerInnen nutzten dies, um einerseits auf die unhaltbaren Verschlechterungen aufmerksam zu machen und andererseits zur Solidarität aller ArbeitnehmerInnen aufzurufen, egal ob sie zur Zeit in Beschäftigung stehen oder ob sie arbeitslos, in Ausbildung oder bereits pensioniert sind. Von den Parlamentsparteien erklärte sich einzig der grüne Sozialreferent Lukas Wurz bereit, einige Worte an „das Volk" zu richten. Sichtlich beeindruckt von den vielen Protestmails (mehr als 350 innerhalb von 14 Tagen), die unter anderem auch an Karl Öllinger adressiert sind, und den doch über 70 Anwesenden drückte er die Solidarität zu unserer Protestaktion aus. Er versprach auch, dass sich die grünen Abgeordneten dafür stark machen werden, die schlimmsten Auswirkungen der ALVG-Novelle zu verhindern. Dass die Grünen z. B. zu dieser Aktion aufgerufen hätten, dies hat realistisch ohnehin niemand erwartet. Aber immerhin, die Abgeordneten von SPÖ und Gewerkschaft glänzen hingegen durch Ignoranz. Dass diese Menschen schon fernab von ihrer Basis sind und nur auf ihre eigenen Bedürfnisse Rücksicht nehmen, sollte spätestens seit der letzten Wahl wohl jedem klar geworden sein. Den ÖVP-lern ist unser Widerstand dermaßen zuwider, dass sie kurzer Hand ihre offiziellen E-Mail-Adressen sperren ließen. Nun gut, was wir von den Konservativen zu erwarten haben, haben sie ja zur Genüge in Zeiten der schwarz/blau/orangen Koalition gezeigt.

Wer sich auf Andere verlässt, ist verlassen; sagt schon ein altes Sprichwort. Der Widerstand muss von den Betroffenen ausgehen, dies wurde auch immer wieder von den RednerInnen betont. Auch, dass es wichtig ist, dass sich ArbeitnehmerInnen nicht „auseinander dividieren" lassen, dass ArbeitnehmerInnen die selben Interessen haben, egal welcher Religion oder Herkunft sie sind, oder ob sie momentan in Ausbildung, mit oder ohne Beschäftigung oder bereits in Pension sind, wurde in den Appellen der SprecherInnen ganz groß geschrieben. Dass aktiver Widerstand die einzige Möglichkeit ist, sich gegen die Angriffe aus Wirtschaft und Politik zu wehren, wurde ebenfalls betont.

Das Ende ist gleichzeitig der Anfang

Da die Kälte an diesem Tag leider nicht nur sozialer Natur war, wurde die Kundgebung nach mehr als einer Stunde unter den Applaus der Beteiligten und einiger Passanten beendet.

Dass Solidarität nicht nur ein Schlagwort ist, dies bewiesen die vielen Menschen, die dann beim Abbau mithalfen.

Etliche gingen danach noch ins Café Käuzchen, wo über die gelungene Aktion und weitere Maßnahmen diskutiert wurde. So, wie es aussieht, wird das Bündnis gegen die ALVG-Novelle weiter bestehen. Schon nächsten Mittwoch, den 5. Dezember, ist eine Kundgebung vor dem Berufsausbildungszentrum (BAZ) im 20. Bezirk, in der Engerthstraße 117 geplant, wo wir Betroffene informieren und mit ihnen diskutieren wollen.

Unterschreiben Sie unsere Protestmailaktion gegen die ALVG-Novelle!

Menschenmenge vor Parlament
Treffen vor der Aktion vor dem Parlament
Arbeitslose in Ketten
Arbeitslose in Ketten
AMS-TrainerInnen bei der Arbeit
AMS-TrainerInnen bei der Arbeit
Gusenbauer und Haberzettl
"Gusenbauer" und "Haberzettl"
Politiker in Ketten
Politiker und AMS-TrainerInnen in Ketten
Versammelte Menschenmenge
Ein Blick in die Menge
Aktivist einer Arbeitsloseninitiative
Aktivist einer Arbeitsloseninitiative
Aktivistin einer Arbeitsloseninitiative
Aktivistin der Arbeitsloseninitiative "AMSand"
Lukas Wurz und Michi Gehmacher
Lukas Wurz von den Grünen und Michi Gehmacher